Die mögliche Umgestaltung der Wittlinger Ortsmitte

Ergebnisse der Qualitätserfassung der Kandertalstraße

Für die Gestaltung einer lebendigeren und verkehrsberuhigten Ortsmitte beantragte die Gemeinde Wittlingen die Qualitätserfassung über die Servicestelle Ortsmitten Baden-Württemberg des Verkehrsministeriums. Die Servicestelle beauftragte das Planungsbüro Planersocietät Frehn Steinberg Partner GmbH mit der Begehung der Ortsmitte. Daraufhin verfasste das Planungsbüro eine Qualitätserfassung, welche Potenziale und Defizite der Verkehrssituation in der Kandertalstraße (Landesstraße, L134) und Lösungen anhand von Handlungsempfehlungen aufzeigt. 

Das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg finanzierte die Qualitätserfassung.

Im Fokus der Erfassung stehen folgende Qualitätskriterien:

  • Verträglichkeit des Kraftverkehrs
  • Aufenthaltsqualität und Grün
  • Ortsbild und Nutzungen
  • Fußverkehr
  • Radverkehr
  • Öffentlicher Verkehr

Die Handlungsempfehlungen in Form von Steckbriefen beinhalten schnelle und konfliktarme Sofortmaßnahmen sowie umfangreichere Umgestaltungen. Die Planungsbüros prüften die Empfehlungen auf eine grundsätzliche Umsetzbarkeit und Zulässigkeit. Allerdings braucht es bei einigen Maßnahmen weiterführende rechtliche und technische Prüfungen. 
Einige Maßnahmen sind bereits in der bestehenden Planung zur Sanierung der Kandertalstraße vorgesehen, wie z.B. ein barrierefreier Ausbau der Bushaltestellen (Handlungsempfehlungen 4 und 5).

Die Handlungsempfehlungen

Für eine grundlegende Verbesserung für Radfahrende und zu Fuß gehende, für den Schutz der Bürgerinnen und Bürger vor Verkehrslärm und Abgasen sowie zur Steigerung der Aufenthaltsqualität analysiert Wittlingen nun die Umsetzbarkeit der folgenden Handlungsimpulse auf Basis der Qualitätserfassung:

  • Handlungsempfehlung Nr.1: Tempo 30 in gesamter Ortsdurchfahrt für Reduktion der Lärmbelästigung und Erhöhung der Aufenthalts- und Lebensqualität
  • Handlungsempfehlung Nr.2: Barrierefreier Ausbau der Querungsanlage (Ampel) am Knotenpunkt Kandertalstraße/Rathausstraße/Im Winkel für eine eigenständige und sichere Verkehrsteilnahme aller Verkehrsteilnehmenden
  • Handlungsempfehlung Nr.3: Einrichtung von sicheren Radabstellanlagen an den Bushaltepunkten „Hirschen“ zur Förderung des Radverkehrs
Links: Aktueller Stand (Quelle: Planersocietät Frehn Steinberg Partner GmbH, Pesch Partner Architektur und Stadtplanung GmbH); rechts: Möglicher Umbau sichere Radabstellanlage (Quelle: Unsplash.com/Egor Myznik)
  • Handlungsempfehlung Nr.4: Neubau eines lichtdurchlässigen Witterungsschutzes mit in- sowie externer Beleuchtung am Haltepunkt „Hirschen“ (Fahrtrichtung Nord) für ein verbessertes Sicherheitsgefühl der Fahrgäste
  • Handlungsempfehlung Nr.5: Barrierefreie Umgestaltung der Haltestelle „Hirschen“ (Fahrtrichtung Nord) für eine verbesserte Nutzung für mobilitätseingeschränkte Personen
Links: Aktueller Stand (Quelle: Planersocietät Frehn Steinberg Partner GmbH, Pesch Partner Architektur und Stadtplanung GmbH); rechts: Möglicher Umbau barrierefreie Bushaltestelle (Quelle: „Bushaltestelle Unfallklinik, 2, Seckbach, Frankfurt am Main“ von GeorgDerReisende)
  • Handlungsempfehlung Nr.6: Begrünung der Bushaltepunkte „Hirschen“ durch Bäume mit begehbaren Baumscheiben zur Steigerung der Aufenthaltsqualität und für mehr Verschattung sowie mehr Versickerungsmöglichkeiten von Regenwasser
  • Handlungsempfehlung Nr.7: Prüfung einer Reduktion der Kurvenradien am Knotenpunkt Kandertalstraße/Mühlenstraße zur Verminderung der Fahrgeschwindigkeit sowie der Querungsdistanz für den Fußverkehr
  • Handlungsempfehlung Nr.8: Anordnung eines Halteverbots im Knotenpunktbereich der Kandertalstraße/Mühlenstraße sowie Einzeichnen von Parkmöglichkeiten auf der Fahrbahn unter Berücksichtigung notwendiger Restfahrbahnbreiten. Für die Verbesserung des Verkehrsflusses.
  • Handlungsempfehlung Nr.9: Realisierung von Nahversorgungsangeboten in der Kandertalstraße auf Höhe Haus Nr. 6 durch beispielsweise Lebensmittelautomaten oder eine genossenschaftliche Multifunktionseinrichtung. Durch ein fußläufiges Angebot der Grundversorgung steigt die Attraktivität der Ortsmitte und ältere oder mobilitätseingeschränkte Personen profitieren besonders.
Die Kandertalstraße mit allen Handlungsempfehlungen (Quelle: Qualitätserfassung von Ortsmitten in Baden-Württemberg, Ergebnisdossier der Kommune Wittlingen, Planersocietät Frehn Steinberg Partner GmbH, Pesch Partner Architektur und Stadtplanung GmbH, Stand 05/2024)
  • Handlungsempfehlung Nr.10: Schaffung einer zentralen und attraktiven Aufenthaltsfläche in der Kandertalstraße auf Höhe Haus Nr. 6 durch zum Beispiel barrierefreie und verschattete Sitzgelegenheiten, eine Packstation, ein Bücherschrank oder Wasserelemente.
  • Handlungsempfehlung Nr.11: Einrichtung eines Carsharing Stellplatzes in der Kandertalstraße auf Höhe Haus Nr. 6 für mehr nachhaltige Mobilitätsangebote in Wittlingen.
  • Handlungsempfehlung Nr.12: Barrierefreier Ausbau des Haltepunkts „Hirschen“ in Fahrtrichtung Süd für eine uneingeschränkte Fortbewegung aller Personen.
  • Handlungsempfehlung Nr.13: Errichtung einer barrierefreien Querungsanlage am Knotenpunkt Kandertalstraße/Kirchstraße, welche den Fußverkehr priorisiert. So können besonders Kinder, ältere oder mobilitätseingeschränkte Menschen im Bereich der Bushaltestelle die Straße sicherer überqueren.
  • Handlungsempfehlung Nr.14: Bau einer Gehwegüberfahrt am Knotenpunkt Kandertalstraße/Kirchstraße. Ein durchgezogener Gehweg in der Kirchstraße an der Einfahrt zur Kandertalstraße soll den Fußverkehr sicherer machen.
Aktueller Stand (Quelle: Planersocietät Frehn Steinberg Partner GmbH, Pesch Partner Architektur und Stadtplanung GmbH)

Wie geht es weiter?

Eine Sanierung der Fahrbahn der Kandertalstraße (Landesstraße, L 134) ist vom Regierungspräsidium Freiburg seit Jahren geplant. Gemeinsam mit den zuständigen Behörden möchte Wittlingen nun entscheiden, welche Maßnahmen sinnhaft im Zuge der Sanierung umgesetzt werden können. Für die Einführung des Tempo 30 benötigt es eine Aktualisierung des Lärmaktionsplans. Die nötigen Schritte für die Umsetzung prüfen derzeit Bürgermeister Michael Herr, Bürgermeister-Stellvertreter Dr. Dietrich Hermann und Netzwerkmanagerin Jana Stahl.

Visualisierung Haagener Straße

In der Haagener Straße möchte die Gemeinde Wittlingen im Rahmen von NEMO ebenfalls Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung, Verbesserung des Fuß- und Radverkehrs sowie Steigerung der Aufenthaltsqualität umsetzen. 

Das Planungsbüro Planersocietät Frehn Steinberg Partner GmbH visualisierte verschiedene Umgestaltungsmöglichkeiten. Auch die Visualisierung ist ein Projekt der Servicestelle Ortsmitten Baden-Württemberg finanziert durch das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg.   

Die folgende Aufnahme zeigt den aktuellen Zustand der Haagener Straße:

Umgestaltung Variante 1: Bergauf neuer Fahrradschutzstreifen, bergab neuer Gehweg
Umgestaltung Variante 2: Bergauf breiterer Gehweg, bergab neuer Gehweg
Umgestaltung Variante 3: Bergauf breiterer Gehweg, gepflasterter Mittelstreifen, bergab neuer Gehweg

Die Umsetzung dieser Variante scheint jedoch nach ersten Besprechungen der Gemeinde Wittlingen nicht realistisch. Der Aufwand ist hier sehr groß, da die Straße für den Mittelstreifen aufgerissen werden müsste und dieser durch den Schwerlastverkehr stark beansprucht werden würde.

Wie geht es weiter?

Die Visualisierungen sollen das Gespräch über die aktuell unzureichende Situation in der Haagener Straße anregen und Möglichkeiten zur Umgestaltung aufzeigen. Da es sich bei der Haagener Straße um eine Kreisstraße handelt, kann eine Veränderung nur in enger Abstimmung mit dem Landkreis geschehen. Zunächst liegt die Priorität aber auf der Umgestaltung der Kandertalstraße. 
Ist diese abgeschlossen, erfolgen die nächsten Schritte für die Umgestaltung der Haagener Straße:

  • Eine vertiefte Diskussion der Gestaltungsmöglichkeiten im Gemeinderat, auch über den Bereich der Visualisierung hinaus
  • Eine detaillierte Planung eines Ingenieurbüros